Studentisches Projekt: Stadtführer Samara 


Das Gruschinskij Festival

 

Die Liedermacher-Kunst hat in Russland ihren besonderen Weg. Ihre Geschichte ist sehr interessant und hat sowohl Blütezeiten, als auch Krisen.

Die ersten unprofessionellen  Lieder erschienen in den zwanziger Jahren nach der Oktoberrevolution. "" ("Warschawjanka") von G. Krshishanovskij, " " ("Dort weit am anderen Ufer des Flusses") von N. Kool waren in Russland sehr bekannt und beliebt. Während des Zweiten Weltkrieges brauchten die Menschen russische Lili Marleens, die das Leben ein bisschen süsser machten und den Leuten halfen, die schweren Zeiten zu überstehen. Man sang " " ("Der Berberitzestrauch") von Morenz oder " " ("Wir konnten im kalten Häuschen nicht einschlafen¿) von Okudshava, aber diese Lieder waren nur Einzelfälle. Die richtige Blütezeit der Liedermacher-Kunst war das erste Nachkriegsjahrzehnt, und das hat seine Gründe. Die ära der melodischen Kriegslieder war bereits vorbei, und es erschienen neue Werke für das Singen auf Demonstrationen und Versammlungen. Aber die Leute brauchten etwas für die Seele, etwas Aufrichtiges und Inniges. Die Liedermacher-Kunst nahm diese Aufgabe auf sich. Einige Jahre später fand auch das erste Gruschinskij Festival statt.

Das Gruschinskij Festival ist eines der Kennzeichen unseres Gebiets Samara. Obwohl Samara eine Provinzstadt ist, gilt es als Zentrum des Liedermachens und jeder Samaraer weiss über das Festival Bescheid. Aber das Festival ist auch ein Begriff für alle Russen. Ein gutes Zeugnis dafürdie überladenen Züge Anfang Juli. Es ist wirklich fast unmöglich, in dieser Zeit aus Samara nach Moskau oder Sankt-Petersburg zu fahren: alle Karten sind ausverkauft.

Man kann auch bestimmt sagen, das sich in den letzten Jahren der Ruf dieser russischen Tage des Liedermachens über die Grenzen des Landes hinaus verbreitet hat. Ausländer kommen gerade im Juli nach Russland mit dem Wunsch, beim Festival anwesend zu sein. Womit fesselt dieses jährliche Ereignis mehr und mehr Menschen?

Wenn man über das Gruschinskij Festival spricht, ist unbedingt die Person zu erwähnen, nach dessen Namen es benannt wurde.Valerij Gruschin war Student der Fliegerhochschule. Er war ein grosser Anhänger der Liedermacher-Kunst und machte selbst Lieder. Gruschin organisierte die studentische Gruppe Pojuchschije Bobri. Mit seinen Freunden machte er oft Wanderungen, die Gitarre war auch immer dabei. Während einer dieser Reisen passierte Gruschin ein tragischer Unfall. Aus einem kleinen reissenden Fluss hat Gruschin eine Frau und ein Kind gezogen, aber ertrank selbst. Das passierte im Jahre 1968. Im nächsten Jahr sammelten sich über 500 Studenten der Fliegerhochschule, wo Gruschin studiert hatte, in "Kamennaja Tschascha". Dieser Ort im Shiguli-Gebierge war von Valerij besonders beliebt. Obwohl es in Strömen regnete, machten die Studenten das Zeltenlager, sangen Valerijs Lieblingslieder und erinnerten sich an ihren Freund.

Es wurde zur Tradition, sich jedes Jahr im Shiguli-Gebirge zu treffen und Lieder über Freunde und Wanderungen zu singen. 1980-1985 war das Gruschinskij Festival verboten, aber dann fand es jährlich statt. Aus einem kleinen Treffen der Samaraer Liedermacher und ihrer Anhänger wurde eines der grössten Festivals Russlands, das am ersten Juliwochenende des Jahres stattfindet. Jedes Jahr kommen zum Festival mehr als 100.000 Menschen aus allen Gebieten des Landes und aus dem Aussland. Es wurden einige Bühnen gebaut, wo gleichzeitig gesungen wird. Der wichtigste Teil des Programms ist aber das Nachtkonzert auf der riesigen beleuchteten Bühne in Form einer Gitarre.

Es ist aber unmöglich, über alles zu erzählen. Wenn Sie die Lieder der russischen Liedermacher Bulat Okudshawa, Alexander Galitsch, Jurij Wizbor, Tatjana und Sergej Nikitins selbst erleben und hören wollen, Regen, Sonne und das Leben in Zelten mögen und Sie sich Ihr Leben ohne Freundschaften nicht vorstellen können,

dann kommen Sie zum Gruschinskij Festival und erleben Sie alles selbst.


 

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2002